
Uschanka: Die spannende Geschichte der Russenmütze
Eine Uschanka ist eine Winterpelzmütze mit herunterklappbaren Ohrenklappen, die man bei Kälte unter dem Kinn schließt und bei mildem Wetter über der Krone zusammenbindet. Der Name stammt vom russischen Wort ucho für Ohr, vollständig heißt sie schapka-uschanka. Ab 1940 gehörte sie zur Winteruniform der sowjetischen Armee. Heute wird sie vor allem aus Fell gefertigt: Kaninchen, Schaf, Waschbär, Rotfuchs, Nutria oder Bisam.
Wir sind eine Kürschnerei aus Murrhardt im Schwäbischen Wald und fertigen Uschankas seit 2017 in Handarbeit, ausschließlich aus Fellen freilebender Tiere. Was wir hier aufschreiben, stammt aus der Werkstatt, nicht aus einem Katalog.
Heißt es Uschanka, Ushanka oder Chapka?
Gemeint ist meistens dasselbe, die Schreibweise hängt nur davon ab, über welche Sprache das Wort ins Deutsche gekommen ist. Eine Ausnahme gibt es aber, und die wird regelmäßig verwechselt.
| Bezeichnung | Herkunft | Was gemeint ist |
|---|---|---|
| Uschanka | deutsche Umschrift von russisch ушанка | die Fellmütze mit Ohrenklappen |
| Ushanka | englische Umschrift desselben Wortes | dieselbe Mütze |
| Schapka / Chapka | von russisch шапка (Mütze), Chapka ist die französische Schreibweise | wörtlich jede Mütze, im Sprachgebrauch fast immer die Uschanka |
| Russenmütze | deutscher Umgangssprachbegriff | dieselbe Mütze |
| Tschapka | von polnisch czapka | etwas anderes: die viereckige Kopfbedeckung der Ulanen. Wird umgangssprachlich trotzdem oft für die Fellmütze benutzt |
| Trappermütze | nordamerikanisch | verwandte Bauform mit Ohrenklappen, meist flacher geschnitten, klassisch aus Waschbär |
Kurz: Uschanka, Ushanka, Schapka, Chapka und Russenmütze bezeichnen im Alltag dieselbe Mütze. Nur die Tschapka ist streng genommen ein anderes Stück.
Woher kommt die Uschanka?
Die Uschanka geht auf die Koltschakowka zurück, eine Wintermütze, die 1918 während des Russischen Bürgerkriegs bei der Weißen Armee aufkam und nach Admiral Koltschak benannt ist. Ab 1940 wurde die weiterentwickelte Form als Uschanka Teil der Winteruniform der sowjetischen Armee.
Am Material ließ sich damals der Rang ablesen. Offiziere trugen Modelle aus echtem Pelz, Soldaten und Unteroffiziere bekamen Ausführungen aus Fellimitat mit einer zweiten Stofflage. Die Mütze verbreitete sich schnell über die Sowjetarmee hinaus, weil andere Armeen an der Ostfront nichts Vergleichbares gegen zweistellige Minusgrade hatten. Deutsche Truppen verfügten lange über keine Winterbekleidung dieser Art.
Diese Angaben zur Militärgeschichte stützen sich auf den Wikipedia-Artikel Uschanka.
Aus welchem Fell wird eine Uschanka gemacht?
Das Fell entscheidet über Wärme, Gewicht und Haltbarkeit. Klassisch russische Modelle sind aus Kaninchen oder Schaf, weil das günstig war. Wer eine Mütze für Jahrzehnte will, greift zu dichteren Fellen. Diese Arten verarbeiten wir am häufigsten:
| Fell | Eigenschaften | Passt zu |
|---|---|---|
| Waschbär | sehr dichte Unterwolle, kräftiges Grannenhaar, robust, vergleichsweise schwer | strenger Winter, Ansitz, Outdoor |
| Rotfuchs | langes weiches Grannenhaar, warm bei geringem Gewicht, auffällige Optik | Alltag und Jagd, wenn es leicht sein soll |
| Nutria | dichte Unterwolle, von Natur aus wasserabweisend, sehr strapazierfähig | nasskaltes Wetter |
| Bisam | feines dichtes Haar, leicht, unauffällig im Ton | schlichte Modelle |
| Kaninchen | leicht und weich, aber weniger scheuerfest | gelegentliches Tragen |
| Schaf | günstig, sehr warm, dafür schwer und voluminös | klassische Optik |
Wie viele Bälge für eine Mütze nötig sind, hängt von Kopfgröße und Fellart ab. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag: Wie viele Bälge brauche ich für die Anfertigung?
Was kann eine Uschanka besser als eine Wollmütze?
Der Unterschied liegt nicht im Aussehen, sondern in der Bauweise und im Material. Eine Wollmütze deckt den Kopf ab. Eine Uschanka schließt ihn ab.
- Ohren, Stirn und Nacken sind mitgedacht. Die Klappen lassen sich schließen, sobald der Wind dreht. Genau dort friert man zuerst.
- Fell wärmt über die Unterwolle. Die feinen Haare halten eine Luftschicht am Kopf. Wolle kann das, Polyestermischungen können es kaum.
- Kein klammes Gefühl. Viele Stoffmützen enthalten hohe Kunstfaseranteile, die Feuchtigkeit an der Haut halten.
- Regen perlt eine Weile ab. Grannenhaar leitet Nässe nach außen, ein Schauer dringt nicht sofort durch.
- Haltbarkeit. Eine gut gearbeitete Fellmütze überdauert eine Wollmütze um ein Vielfaches, sofern sie richtig gelagert wird.
Uschanka für Damen und Herren: worauf beim Kauf achten?
Am Schnitt unterscheiden sich Damen- und Herrenmodelle bei uns nicht, entscheidend ist die Kopfgröße. Wir fertigen von 54 bis 62 cm, Zwischengrößen auf Wunsch. Wie du deinen Umfang richtig misst, steht hier: Kopfgröße bestimmen.
Drei Punkte, die sich beim Vergleich lohnen:
- Vollfell oder Fell mit Loden. Vollfellmodelle sind wärmer und auffälliger, Modelle mit Lodenkopf sind leichter und zurückhaltender.
- Verarbeitung der Klappen. Sie müssen sich schließen lassen, ohne dass die Naht spannt. Daran erkennt man Handarbeit.
- Herkunft des Fells. Danach fragt kaum jemand, dabei ist es der eigentliche Unterschied. Siehe nächster Abschnitt.
Unsere Uschanka läuft bei uns unter dem Namen Modell Jura. Es gibt sie unter anderem als Kojotenmütze aus kanadischem Kojotenfell und als Rotfuchsmütze mit Loden. Alle Modelle findest du in der Kollektion Pelzmützen.
Woher stammen die Felle?
Wir verarbeiten ausschließlich Felle von Tieren aus der freien Wildbahn, überwiegend von Jägern aus der Region. Keine Pelzfarm, keine Zuchtware. Der Gedanke dahinter ist einfach: In Deutschland wird jedes Jahr Raubwild bejagt, und ein großer Teil der Bälge wird bis heute entsorgt. Wir machen daraus etwas, das Jahrzehnte hält.
Gegerbt wird bei uns im Haus mit Alaun. Wer selbst Bälge hat, kann sie uns zur Lohngerbung schicken: Gerberei und Kürschnerei. Mehr über den Betrieb steht unter Über uns.
Häufige Fragen zur Uschanka
Was ist der Unterschied zwischen Uschanka und Chapka?
Keiner, es sind zwei Schreibweisen für dieselbe Mütze. Schapka heißt auf Russisch schlicht Mütze, Chapka ist die französische Form davon. Nur die polnische Tschapka bezeichnet ein anderes Stück, nämlich die viereckige Ulanenmütze.
Ist eine Uschanka für Damen und Herren gleich?
Der Schnitt ist identisch, gewählt wird nach Kopfgröße. Wir fertigen von 54 bis 62 cm.
Wie warm ist eine Uschanka wirklich?
Mit geschlossenen Klappen deckt sie Ohren, Stirn und Nacken ab, also genau die Stellen, an denen der Kopf Wärme verliert. Bei Waschbär und Nutria mit ihrer dichten Unterwolle reicht das für den Ansitz bei zweistelligen Minusgraden. Ein Richtwert, kein Laborwert: Wind und Feuchtigkeit verschieben das Empfinden stark.
Wie pflege ich eine Pelzmütze?
Nicht waschen und nicht auf die Heizung legen. Nass geworden: bei Zimmertemperatur trocknen lassen, danach das Haar aufschütteln. Im Sommer luftig und dunkel lagern, nicht in der Plastiktüte. Bei Fragen zu einem konkreten Stück ruf uns einfach an.
Kann ich mir aus meinem eigenen Balg eine Uschanka machen lassen?
Ja, das ist ein großer Teil unserer Arbeit. Der Balg wird bei uns gegerbt und anschließend in der Kürschnerei verarbeitet. Ablauf und Preise stehen auf der Seite Gerberei und Kürschnerei.
Kurz zusammengefasst
Die Uschanka ist eine Fellmütze mit Ohrenklappen, entstanden aus der Koltschakowka von 1918 und ab 1940 Teil der sowjetischen Winteruniform. Ushanka, Schapka, Chapka und Russenmütze meinen dasselbe, die polnische Tschapka nicht. Wie warm sie ist, entscheidet das Fell: Waschbär und Nutria sind die wärmsten, Rotfuchs der beste Kompromiss aus Wärme und Gewicht. Wer eine für Jahrzehnte will, achtet auf Handarbeit, saubere Klappennähte und die Herkunft des Fells.
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Geschrieben von Roland Schuck, Kürschnermeister, mit über 50 Jahren Erfahrung in der Fellverarbeitung. Roland Schuck Pelzmanufaktur, Murrhardt. Zuletzt aktualisiert am 30. Juli 2026.

